CAS Philosophie (ZH): Subjektivität, Leiblichkeit und Intersubjektivität in Gesundheit und Krankheit. Eine Einführung in die phänomenologische Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie (FS 2027, Blockseminar)

Die Phänomenologie kann als eine konzeptuelle Grundlage für ein Verständnis der Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie dienen, das der subjektiven, besonders der leiblichen Erfahrung besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Dies stimmt überein mit aktuellen Ansätzen der Verkörperung bzw. des Embodiment, die subjektives Erleben nicht im Gehirn lokalisieren, sondern als Aktivität des gesamten Organismus in seiner Interaktion mit der Umwelt ansehen. Damit lässt sich die in der Psychologie und Psychiatrie immer noch dominierende Sichtweisen einer „Innenpsyche“, einer gehirnzentrierten Psychopathologie und einer auf das Individuum zentrierten Psychotherapie überwinden.
Das Seminar gibt zunächst eine allgemeine Einführung in die phänomenologische Psychologie und Psychopathologie. Dann stellt es die Konzeptionen des verkörperten Selbst, der verkörperten Emotionen und der Zwischenleiblichkeit vor, die als Grundlage für Empathie und Interaffektivität angesehen werden kann. Als weitere Grundkonzeption wird das verkörperte oder Leibgedächtnis entwickelt, das als Träger biographischer Kontinuität gelten kann. Es erlaubt auch ein neues Verständnis des Unbewussten, das sich nicht in einer vertikalen Tiefe, sondern im horizontalen, leiblichen und zwischenleiblichen Raum verorten lässt.
Eine Erweiterung ergibt sich aus der Konzeption eines „Noch-nicht-Bewussten“, das für Prozesse der Improvisation, der Kreativität, aber auch für die Gegenwartsmomente in der Psychotherapie bedeutsam ist. Auf dieser Grundlage werden abschließend die phänomenologischen Konzepte des phänomenalen Feldes, des gelebten Raums und des interaktiven Feldes der Diagnostik und Therapie vorgestellt. Klinische und kasuistische Beispiele aus verschiedenen Störungsbildern illustrieren die jeweiligen Konzepte.
Themenübersicht
(1) Was ist Phänomenologie?
(2) Embodiment: Das verkörperte Selbst
(3) Verkörperte Emotionen
(4) Zwischenleiblichkeit, Empathie und Intersubjektivität
(5) Das Gedächtnis des Leibes
(6) Leibgedächtnis und Unbewusstes
(7) Das Noch-nicht-Bewusste
(8) Phänomenales Feld, Lebensraum und interaktives Feld in der Psychotherapie
Modul: Philosophische Grundlagen der Wissenschaften der Psyche und der Psychotherapie
Dozent: Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Karl-Jaspers-Professor für philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie, Heidelberg
Zeit: Freitag, 05. März 2027, 14.00-15.30, 16.00-17.30 und 18.00-19.30 Uhr;  / Samstag, 06. März 2027, 9.00-11.00, 11.30-13.00 und 14.30-17.00 Uhr.
Ort: Raum 68, sphères, Hardturmstrasse 66, 8005 Zürich
Kosten: CHF 600.- (für Entresol-Mitglieder CHF 500.-)
Teilnahmebedingung: Abschluss des Grundkurses

Datum

05 - 06 März 2027

Uhrzeit

14:00 - 17:00

Ort

sphères, Raum 68
Raum 68, Hardturmstr. 66, 8005 Zürich